Dienstag, 7. Mai 2013

Die Archäologen kommen ans Tageslicht Belgrad 2008-2009











Das Museum Macura bei Belgrad











Der Galerist Andreas Stalzer gräbt mit.








Bin schon da / 1 Liter Beton

 Einlassung ins Pflaster von Lemberg vor der Galerie "Ziga"


Деиь поведи, 09.05.05

УРРАА!!!
Und wieder ist ein Tag des Sieges da, ein Tag, an dem wir uns unseres beständigen Siegens erfreuen und die vordersten Frontlinien unseres Status Quo Abstecken. „Hier sind wir schon“ und jeder einzelne: „Bin schon da!“ Ein Satz ohne Widerstand, eine grausame Selbstvergewisserung in Zeit und Ort. Welche Erhabenheit! Monumente in Stahl und Beton können nur ganz bescheiden das innere Aufbrausen der Gefühle andeuten, die entstehen, wenn Unsicherheiten und Zweifel überwunden sind. Wie viel Anlauf hat es doch gekostet sie zu überwinden! Wie viele Opfer!
Man behauptet die Möglichkeit eines Angekommenseins, und setzt zum Ziel das anhaltende, ewige Angekommensein ohne wenn und aber. Die Halluzination eines anhaltenden Angekommenseins fordert und spendet anhaltend Energie, hält ganze Welten in Gang. Der Sieg ist die Zauberformel des Selbstwertgefühls der einen, das Schuldbewusstsein die Masche der anderen. 

Die Präsenz als Zweck und Resultat des Kampfes. Selbstbehauptung durch Unterdrückung. Im Inneren durch Ausgrenzung, nach außen durch territoriale Eroberungen, bzw. Erweiterung der Einflusssphäre. 

„Деиь поведи“
(Tag des Sieges)
Skulptur, 
20cm Baustahl, 1liter Beton (10x10x10cm)
Aufschrift in Russisch und Deutsch: „я уше здезь- bin schon da“
Ein Grenzstein, der die persönliche augenblickliche Präsenz absteckt und hinterfragt, aber auch als bleibender Stellvertreter, als Stempel, der einem Ort aufgedrückt wird, ihn nach eigenen Maßstäben normiert, verstanden werden kann.
Seine politische Relevanz bezieht die Arbeit durch die Verknüpfung von Sprachwahl, Ort der Installierung (Lviv, Galitien, Ukraine, ehemals K&K Reich und ehemals Sowjetunion), und Zeitpunkt (09.05.05 „Tag des Sieges“, Feier der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches und Ende des II. Weltkrieges – (Beginn des deutschen Wirtschaftswunders); Jahr eins der demokratischen Wende der Ukraine und des „Grand Prix de la Chanson de Eurovision“).
Mit den eigenen Werten und Maßstäben in die kulturelle und territoriale Intimsphäre eines fremden Landes einzugreifen, sich dort quasi hineinzusetzen, einen Ort zu besetzen, eine Zeit zu beanspruchen ist ein penetranter Akt.
Imperialismus hat heute ein anderes Gesicht bekommen. Er trägt eine demokratische Maske der Freiheit und des Wohlstandes, eine Methode , die eine glatte, sterile Medienwelt der Realität des Anders-Seins entgegenhält und uneinlösbare Versprechungen macht und unstillbare Bedürfnisse schafft. Ein Blick von Oben herab, der Selbstbewusstsein und Identitäten zerstört. Die eigene Position wird verabsolutiert und die andere Welt jovial als noch defizitär betrachtet. Völkerfreundschaft wird dann als ein aufmunterndes „Das wird schon, ihr seid auch bald da, nehmt euch ein Beispiel an uns.“ verstanden. Am hinterlistigsten geschieht das gerade unter der Fahne der Toleranz und des Kulturaustausches, oder in der Geste einer „Entwicklungshilfe“ . 
Der Kontakt mit dem Fremden geschieht im Dienste der Selbstbestätigung und der Erschließung neuer Märkte.
Die Zweisprachigkeit hat hier in ihrer Verwendung keinerlei verbindenden Charakter. Vielmehr steht sie hier allgemein gesehen stellvertretend für das Streben von Kulturen nach Dominanz, welches immer auch einen Wettbewerbscharakter hat. Wie bei Hase und Igel kommt es am Ende immer nur darauf an, schon vor den anderen da zu sein. Die beiden Sprachen Russisch und Deutsch haben es auf die dritte, nicht geschriebene, nicht aktivierte Sprache abgesehen. Diese Sprache braucht sich nicht eigens auszuweisen, da sie im Ort selber ist, in der Erde, in der die Skulptur steckt.
Die Skulptur spießt sich harpunengleich in das Kultur-Land, und steckt einen Spielplatz ab, oder aber ein Schlachtfeld.



Im Hintergrund Vlod Kaufmann





Djen Povjedi

Am 9. Mai 2002, dem "Tag des Sieges", fand ich auf der Straße im Zentrum von Ulan Ude 
(Burjatien, südost-Sibirien) einen Streifen  Film auf der Straße, den ich einsteckte. Eine Menge Leute waren schon darüber gegangen, denn die Straßen waren voller feiernder Menschen. Nach einiger Recherche erkannte ich, dass hier genau der Moment aus dem Dokumentationsfilm gerissen war, in dem sich General Paulus hinsetzt, um die Kapitulation der 6. Armee zu unterzeichnen. Es ist faszinierend, wie sehr die isolierte, aus der Geschichte gerissene Szene, wie sehr die einzelnen Bilder ihre eigenen Geschichten erzählen. Ich ließ die Einzelbilder in Vierergruppen zu Postern ausarbeiten. 
Sowohl in Ulan Ude 2004 als auch in Lemberg 2005 gab es massive Probleme und Ängste seitens der Galeristen, sodass die Ausstellungen abgebrochen werden, bzw. ausfallen mussten.



ANKE 2003-2013



2003: Ausgrabung  in Heppenheim/Bergstr.






"Die Handwerkskunst des Schwindelns" Diplom 
Bildhauerklasse Akademie der Bildenden Künste Wien 2004





Die bitumengetränkte Haut wird abgezogen und mit Teilen des Holzes zur "Fragment" Serie umgewandelt. Der Rest (Kiel, Spanten, Steven,..) zu einem Gebrauchsgegenstand ausgebaut. Den Bau begleitet die Sendung 

-die ich gemeinsam mit Michael Turinsky als Redakteur und Moderator gestalte.









Markus Kircher zur Jungfernfahrt:
DANKE  ANANKE

Rechtzeitig gelang es Klaus Gölz aus dem Mythos Wirklichkeit werden zu lassen. Sein Boot steht kurz vor der Wasserlegung, also kann niemand behaupten, es gäbe dieses Boot nicht. Das sind die Fakten, die Wirklichkeit, aus dem Träumen herausgeholt.

Zum Traum zurück führt uns die Schaufel, mit dem der vermeintlich archäeologische Fundort gefunden wurde. Nicht wirklich vergraben, wurde hier die Geschichte von Klaus Gölz sozusagen herausgeerdet, ausgegraben. Er beschloß, es werde Boot, und um es Boot werden zu lassen, bedarf es einem Geburtsort. 

In der Nähe von Hessen wurde er selber geboren, dort legte er auch die Nabelschnur seines Bootes an. Hier legte er mit dem Fotoapparat, mit Luftaufnahmen vom Fundort, die Nabelschnur seines Bootes. Diese Fotos bezeugten eine Findung, die es nicht geben konnte. Es gab keine Geschichte davor. Das Boot hatte nicht existiert, bis er sich entschloß, es zu bauen. Die Fotos waren der Nichtbeweiß eines Beweißes. Träume können immer Realität sein, wenn sie nur gut genug dokumentiert werden.

Hier fliegt uns auch Ananke in den Schoß. Die Göttin, die in der griechischen Mythologie das Schicksal verkörpert. Sie existiert, weil sie so gut dokumentiert ist. Sie ist so realistisch, weil sie literarisch, geschichtlich eingebettet ist in den großen Muskelkater der Götterwelt. Nichts existiert, aber umso besser dokumentiert.

Nach der Dokumentation des Schwindels begann die erste große Bootsbauphase: erstellen eines Holzgerüsts und beziehen dessen mit einer leinernen Betumenhaut. Das Boot war nun 5 m lang und an seiner breitesten Stelle 1,8 m. Es sah seetüchtig aus und wäre doch im Wasser versunken.

Die erste Bauphase und der große Schwindel bildeten das Kernstück einer wichtigen Ausstellung zum Abschluß seiner Studienzeit auf der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Der Schwindel flog auf und wurde gelobt. Das Boot lag im Trockenen und hielt allen flüssigen Reden stand. 

Der Schwindel hatte die Lunte zur Realität gelegt, nun musste die Bombe platzen: das führte zur Abhäutung des Bootskeletts und Aufrüstung mit echtem Holz. Die Bordwände wuchsen und wuchsen zusammen. Innen wurden Sitzbänke angebracht, ein Anker hing, schon an der Wand, zuletzt noch mit Bootslack, weiß, braun und schwarz angemalt. 

Der Traum wurde wirklich und es hat sogar der Schwindel noch Platz. Danke Ananke, oder wie immer du auch heißen wirst, du Boot du, Klaus Gölz hat dich aus dem Hut gezaubert.

MK 12.3.7









"Tutti" mit Manfred Pernice
Salzburger Kunstverein 2010

"Anke" wird nach Jahren des Fahrzeug-Gebrauchsgegenstand-Seins zerlegt und in Teilen als Bewegungsmodelle auf die Kunst-Bühne zurück gebracht




"could you please be quiet" mit Hermann Staudinger
Volkskundehaus Ried i.Innkreis 2012




LVIV, LVOV, LEMBERG Ukraine 2008




Nebo-Oben

Ausstellung mit Nazar Honchar, Roman Brittschgi, Jörg Reissner, u.a. in der Glasgalerie in Lemberg (UA)


Nazar (1964-2009)



K.Gölz: Nebo-Oben (Eisen, Latex, etc.)



Strassenbahnfabrik Lemberg
Performance "Luft"für Vlod Kaufmann

Die Heimwehtropfen: Performance von Klaus Gölz

mit Christian Loidl; mit Markus Kircher

"Telepathieversuche" 

Wien, Karlsplatz 2000 mit Christian Loidl (1957-2001)





Markus Kircher lernte ich über unseren gemeinsamen Freund Christian Loidl kennen. Über einige Jahre hinweg ließen wir immer wieder unserer überschüssigen Energie freien Lauf. Wir machten Aktionen, Kurzzeit-Skulpturen, lyrische Sessions aber auch Musik und nahmen an Ausstellungen teil.
Höhepunkt war sicher unsere 2 Mann- Band "Donnergott Frieslautenbach".

















Ausstellung der MASC- Foundation "Das Beste Billig II" 2005 im Kaufhaus OSEI


"Verklärung"


Der Begriff „Verklärung“ in meiner Arbeit



Mk 9,2-9; Mt 17,1-8; Lk 9, 28-36

Im Gegensatz zur Klärung einer Situation, in der das Unklare eines Objekts in ein Licht des subjektiven Begreifens gerückt wird, kippt bei einer Verklärung die vermeintlich begriffene Situation, das kontrollierte Objekt, das Gewohnte durch die Oberfläche hindurch und quasi aus sich selbst heraus in den Zustand eines metaphysischen Leuchtens, welches seinem Grundzustand entspricht. Es entzieht sich gerade dadurch der Begreifbarkeit, in dem es sein innerstes nicht sprachliches Wesen entblößt. Es lässt sich nicht mehr ausdrücken, fassen, verwerten, gebrauchen. Es bleibt dem Subjekt einzig das Betrachten, die Erkenntnis des Objektes in dessen Selbstzweck. Und das zwingt zur Anerkennung der Autonomie des Objektes. Ein aus sich selbst leuchtendes Objekt eignet sich nicht zur Projektionsfläche.





im Netz






"Beauty of the Beast" 2006?










"Verklärung II" 2005, Kaufhaus Osei, Wien

Aufgrund der extremen Kälte im Ausstellungsraum kamen wir auf die Idee, die Installation unter Wasser zu setzen um so die Verklärung einzufrieren.